Panzerband

Die Garagen hier wurden in den Achtziger Jahren gebaut, einer Zeit also, in der man noch der festen Überzeugung war, dass Geländewagen auch zukünftig nur in tiefsten Wäldern, auf höchsten Bergen oder in kriegerischsten Kriegsgebieten (und da auch nur zum Leicheneinsammeln) zum Einsatz kämen und dass das Durchschnittsmaß des Durchschnittswagen eines Durchschnittsmenschen, der dort parken wird, sich in etwa auf Fiat Panda-Level bewegen wird. Wie so oft hat man sich auch hier geirrt.

Mit einem Geländewagen braucht man es erst gar nicht versuchen, ein Van ist auch chancenlos und wenn man auf der unteren Ebene parkt (wie beispielsweise ich), verbietet sich ein sportlich-tiefergelegtes Auto. Ideal wäre immer noch ein Fiat Panda, aber auch mit anderen Autos geht es so einigermaßen. Wenn man es dann ohne Aufsetzen, Andollern und Herumschrammen geschafft hat und der Wagen endlich – nicht zu weit vorne, nicht zu weit hinten sondern genau passend – in der Garage steht, kommt die nächste Hürde: das Öffnen des Kofferraums. Es empfiehlt sich, den Kofferraumdeckel auch nicht für den Hauch einer Sekunde aus den Fingern zu geben. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass er die neugefundene Freiheit erkennt, nutzt und sich auf die Reise nach oben begibt – wo ihn das sehr niedrig gehaltene obere Parkdeck erwartet. Schlecht für den Lack, schlecht für die Nerven und sehr schlecht für die Laune.

Nun ist das Festhalten eines Kofferraumdeckels grundsätzlich machbar, nur gestaltet sich das Be- oder Entladen des Wagens dann gegebenenfalls schwierig. Eine Tatsache, die die Industrie klar erkannt hat. Deshalb gibt es in Baumärkten Polsterungen, die eigentlich zur seitlichen Anbringung gedacht sind, aber auch auf der Unterseite  einer Parkfläche (hoffentlich) zweckdienlich sind. Diese Teile sind selbstklebend und wenn man die Schutzfolie abzieht, erkannt man auch sofort, welchen Ehrgeiz sie darin entwickeln. Ein, zwei Schichten Haut meiner Fingerkuppen dürften nun auf der Klebefolie sein. Dummerweise klebt das Zeug exzellent an Fingern und wahrscheinlich vielen anderen Dingen; nur nicht nicht an der Unterseite einer Parkfläche… Aber auch da sind Baumärkte die Heilsbringer vor dem Herrn und bieten in ihrem überaus breit gefächerten Sortiment: Panzerband. Eine graue, unscheinbare Rolle, bestehend aus Gewebeband und einem Klebstoff mit dem die Berliner Mauer heute noch stehen würde, hätte man die Steine damit statt mit billigem Beton aufgebaut.
Eben jenes Band ziert nun also den Parkflächenunterboden und die kofferraumdeckelschonende Polsterung. Ich kann allerdings nur hoffen, dass der Kofferraumdeckel da niemals dran kommt. Ansonsten, so meine Befürchtung, bleibt er dran hängen und ich werde ich nie wieder wegbekommen. Aber immerhin wäre er dann ohne Kratzer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.