Durchnässung der Katzenschnauze

Ich habe einen Trinkbrunnen für die Katzen. Man sagte mir, dass Katzen es mögen, wenn Wasser im Fluss ist und es plätschert. Also Trinkbrunnen. Formschönes, aber ziemlich großes Teil, das tut was es soll: es ist eine Art Brunnen und es plätschert. Die Katzen haben das auch gleich erkannt und gönnen sich immer mal wieder ein Schlückchen. Cat follows function.

Bei dem Brunnen kommen oben Wasser aus einem kleinen Loch, läuft dann über Lamellen des Keramikaufsatzes und sammelt sich unten in einer kleinen Pfütze, die aber mit dem im Inneren befindlichen Wasser verbunden ist, welches dann wieder über eine kleine Pumpe und einen Schlauch seinen Weg nach oben zu besagtem Loch findet. Die Idee ist, dass die durstige Katze sich an der Pfütze unten bedient und sich dabei denkt: “Puh, ist das ein tolles Wasser! Kein Wunder, plätschert ja auch die ganze Zeit ganz frisch von oben aus diesem Loch. Hm, lecker, lecker, lecker”. Soweit der Plan, der auch ganz wunderbar für die große Katze funktioniert, aber anscheinend nicht für die kleine Katze. Nun führt dieses Wesen ohnehin ein Leben in eigenen geistigen Hemisphären, aber das sei ihr ja gegönnt. Bis auf viele Ticks, die einen in den Wahnsinn treiben (tausendmal die Katzenklappe aktivieren KLACK bis sie endlich mal durchgeht, das ständige Meckern, man möge sie doch bitte streicheln, aber abhauen, wenn man das denn tun möchte… es gibt noch einiges mehr) ist sie ein liebenswürdiges Mitglied dieses Haushalts. Nun habe ich einen neuen Tick bei ihr entdeckt; diesmal bezüglich des Plätscherbrunnens: sie mag den auch, nur trinkt sie nicht aus der Pfütze, sondern oben an dem Loch, aus dem das Wasser kommt. Grundsätzlich kann man das so machen. Es erinnert an Barney bei den Simpsons, der gelegentlich direkt unter den Zapfhähnen liegt und sich direkt an der Quelle bedient. Bei genauerer Betrachtung würde das auch bei der kleinen Katze einiges erklären, aber im Brunnen befindet sich nur Wasser. Sie kann das ja auch gerne so handhaben, allerdings kommt es durch ihre Art und Weise der Brunnenbedienung auch so einen Durchnässung der Katzenschnauze und einer gewissen Menge an rund um die Schnauze befindlichen Fells, das dann auf dem Brunnen zu liegen kommt, vom fließenden Wasser nach unten in die Pfütze und von da in das im Brunnen befindliche Wasser gelangt. Da gibt es einen rudimentären Filter, der das abfängt, aber irgendwann ist es einfach zuviel trinkbedingt abgefallenes Fell und der Filterschwamm ist voll davon (plus Katzenspucke… alles in allem sind Katzen gar nicht so saubere Tiere, wie es immer heißt) und man muss den Brunnen reinigen, was man eh immer mal wieder machen sollte, aber die Abstände werden wegen Fellverstopfung geringer.

Tatsächlich merke ich beim Reinigen aber auch immer, dass Filterschwamm wegen Fell und Katzenspucke echt schon eklig und reinigenswert ist, dies aber auch auf die Wasserschale selbst (wegen Sand und Kalk), die Pumpe (einzelne Fellhärchen, Katzenspucke und Kalk) und den Schlauch (Kalt) zutrifft. Vielleicht ist die kleine Katze also schlauer als gedacht: sie saut den Brunnen absichtlich ein, damit das Personal (ich) sind endlich mal bemüßigt fühlt, das Porzellan zu reinigen. Hole er die Zitronensäure und entferne er Schmutz und Kalk. Fort, fort – und beeile er sich. Uns dürstet.

Top 3-Karaokesongs

Karaoke ist eine Sache, die völlig an mir vorbeigezogen ist. Auf dem Land gibt es kein Karaoke. Es gibt Dorffeste, wo man lauthals mitsingt, aber das ist dann eher wie bei den Hamburger Goldkehlchen (wenn auch nicht im Ansatz so großartig) und kein Beitrag eines Einzelnen. Man trifft sich hier einfach nicht, damit man irgendwo ist und abwechselnd singt. Man singt gemeinsam, dann ist das entweder der Gesangsverein, der Männergesangsverein, der Kirchenchor oder – aber das erst seit 1985 – die freie Singgruppe. Allen gemein ist: die müssen die Texte vorher lernen und gesungen wird zusammen – aber das ist selten. Man will keine Unruhe in die Gruppe bringen und das passiert automatisch, wenn es plötzlich einzelsingende Platzhirsche und -hirschinnen gibt, die meinen, sie seien etwas Besseres, nur weil sie mal ganz alleine im Rampenlicht (das ein alter Baustrahler ist) stehen dürfen. Solche Dramen braucht man hier nicht.

Aber selbst in der größten Großstadt wäre ich wohl nur unter Zwang und/oder Einfluss von Alkohol zu einer Karaoke-Veranstaltung gegangen. Ich singe nicht und diese Tatsache widerspricht dem Konzept von Karaoke aufs gegensätzlichste. Und sollte ich mal, unter Zwang und/oder Alkoholeinfluss singen, bin ich mir sicher, dass das niemand hören möchte. Es ist auch ein klarer Bruch mit den Genfer Konventionen und ich bin mir sicher, dass es noch eine Vielzahl an Gesetzen gibt, die besagen, dass es mir, also mir in Person, ausdrücklich mir, ich werde da namentlich genannt, also explizit mir verboten ist zu singen. Privat zu Hause und erst recht und vor allem in der Öffentlichkeit. Eigentlich müsste ich ständig mit einem Mikrofon um den Hals herumlaufen und beim ersten Ton, der auch nur ansatzweise als Gesang interpretiert werden könnte, wird der internationale Gerichtshof, das BKA und die GEMA darüber informiert, das Mikrofon setzt mich mit einem Stromschlag schachmatt und die Hubschrauber machen sich zwecks Abholung auf den Weg.

Würde ich aber, rein theoretisch und nur unter Zwang und/oder Alkoholeinfluss auf die abwegige Idee kommen, einer Karaokeveranstalung beizuwohnen, wären meine Top 3-Songs…. tadaaaaatrommelwirbel:

  1. Howard Carpendale: Ti Amo
    Was für eine Schnulze. Was für ein Text. Was für ein großartiges Akzent. Dafür würde sich Guantanamo Bay fast lohnen.
  2. Styx: Boat on the River
    Das klingt wie eine uralte Melodie, ein uraltes Lied, mit einem uralten Text. Okay, es ist mittlerweile alt, aber es klingt viel älter. Ich liebe Styx, ich liebe Tommy Shaw (der damals da irgendwie zu Styx reingerutscht ist und gleich mal sowas raushaut) und ich kann den Text. Das singe ich, verdammt nochmal! Gebt mir aber vorher noch einen und somit kommen wir zu Nummer 3:
  3. The Champs: Tequila
    Und das auch nur, weil ich diese Karaoke-Version (back zum Thema) so großartig finde:

Duftkerzen, Duftbäume, Aromaöllampen – die Wunderwelt der künstlichen Düfte

Mitte der Siebziger war die große Zeit der Wunderbäume. Es gab eigentlich nur zwei relevante Farben, respektive Sorten. Gelb = Zitrone, grün=Kiefernnadel, wobei letzteres die Ur-Version des Einweg-Riechstoffverbreiters ist. Tatsächlich verhält es sich bei diesen beiden Gerüchen wie mit sämtlichen anderen Gerüchen, die künstlich für Duftkerzen, Aromaöle, Geruchsübertüncher wie Febreze und Co., Duftsprüher in Toiletten, Raumsprays, eben jenen Wunderbäumen und sonstigem, vermeintlich wohlriechenden Kram, chemisch kreiert werden: sie riechen nie wie das Original. Mir kann doch keiner erzählen, dass eine Zitrone so riecht wie ein gelber Wunderbaum oder eine Duftkerze “Erdbeeraroma” wie eine Erdbeere. Trotzdem funktioniert es: man assoziiert den Geruch mit der entsprechenden, aber eigentlich völlig anders riechenden Frucht. In Heidelberg gibt es in direkter Nähe zur Autobahn ein Unternehmen, das Aromastoffe (und ein sehr bekanntes Zucker-Wassergemisch in Alubeuteln) herstellt. An manchen Produktionstagen riecht es beim Vorbeifahren sehr nach Apfel, aber eben nicht nach echten Äpfeln, sondern nach dem Geruch, den viele vielleicht noch vom legendären Apfelshampoo kennen, das in Kindertagen immer Samstags am Badetag zum Einsatz kam. Äpfel kamen bei dem Produkt höchstens mal in die Nähe, wenn der Vorarbeiter einen für die Frühstückspause in seiner Brotbox hatte. Ansonsten herrschte völlige Apfellosigkeit. Und genauso verhält es sich mit den oben genannten Duftprodukten. Keine Vanille in der Vanilleduftkerze, kein Zimt im Zimt-Aromaöl, kein neues Auto im Wunderbaum “New Car”.

Aber letztendlich ist es auch egal. In der Weihnachtszeit fühlt es sich gleich noch ein bisschen wohliger (oder hyggeliger wie man im Neudeutschen dazu sagt) im heimischen Heim an, wenn der zwar gefakte, aber dann doch so wahrgenommene Geruch nach “Bratapfel” von einer zart vor sich hin flackernden Kerze im Raum verteilt wird. Und wieviele Wohnungen würden unnötig oft geputzt, wenn man den üblen Geruch darin nicht mit ein paar Stößen Febreze wieder einigermaßen auf Werkseinstellungen zurücksetzen könnte? Wieviele ungewollte Schwangerschaften junger Erwachsenen wurden vermieden, weil es den Leuten wegen dem Wunderbaum “Wild Child” viel zu schlecht wurde, um noch an Sex im Auto zu denken? Die Wunderwelt der künstlichen Gerüche ist also eigentlich gar nicht so schlecht und was einem fehlt, wenn sie nicht da sind, wird einem klar, wenn man im Hochsommer mal eine längere Strecke mit dem ÖPNV unterwegs war.

Fingernagelhaut

Es gibt Begriffe, die sollte man einfach nicht googeln. Fingernagelhaut ist so einer. Wenn man sich dann aber – aus welchen Gründen auch immer – doch dazu entschlossen hat, sein Wissen um diesen in diesem Bereich auszubauen, sollte man auf diesen ersten Fehler nicht den zweiten folgen lassen und das wäre: die Bildersuche.
Auch ich kenne die Problematik von trockener Haut, oft auch an den Fingern und da im speziellen bei besagter Fingernagelhaut und ja, auch mich nervt es ungemein, wenn sich da ständig irgendwelche Textilien verheddern und man Fäden zieht, sich der feine Riss zu einem Canyon des Schmerzes ausweitet, man cremt als gäbe es kein Morgen und das hilft auch ein bisschen, aber dafür ist alles, was man berührt schmierig und fettig. Alles suboptimal, aber hilft ja alles nix. Bzw. eventuell doch; das suggerieren zumindest die angezeigten Bilder bei der Bildersuche nach Fingernagelhaut. Allerdings sind da teilweise Werkzeuge im Einsatz, die ich nicht habe, nicht haben möchte und selbst wenn ich sie hätte nicht einsetzen wollen würde. Schon gar nicht an der rechten Hand, denn dafür müsste ich diese seltsamen Werkzeuge mit der linken Hand bedienen, was ich nicht wirklich gut kann. Okay, die trockene Fingernagelhaut wäre aufgrund des starken Blutflusses dann wahrscheinlich kein Thema mehr, aber das klingt nicht nach einer guter Lösung (auch wenn einige der Bilder schon tendenziell in diese Richtung gehen).

Was also tun? Nicht viel mangels Möglichkeiten. Gute Schneidezähne sind ein Mittel der Wahl. Mit etwas Übung kann man die schlimmsten Stellen einfach wegknabbern (hat auch so gut wie keine Kalorien! Welcher Snack kann das schon von sich behaupten?). Wie schon erwähnt kann man es mit Eincremen versuchen, hat dann aber dafür verschmierte Tassen und Gläser, ein verschmiertes Tablet, eine/n verschmierten Partner*in (immerhin für männliche Single-Männer haben die creme-schmierigen Hände eventuell einen gewissen Vorteil), Katzen mit glänzendem Fell, weil verschmiert vom Streicheln. Zusammengefasst kann man sagen: Eincremen ist eine schmierige Angelegenheit.

Es ist also alles nicht einfach, aber die Forschung scheint es ja nicht zu interessieren. Die machen lieber rum mit Impfstoff hier, Krebsbekämpfung da, Leben retten, blah blah blah. Die Fingernagelhaut kommt da erst ganz zum Schluss.

Dosenobst

Obst, wie so ziemlich alles, was sich irgendwie in Dosen packen und noch Jahrzehnte später mehr oder weniger sicher verzehren lässt, war der coole Scheiss, auf den meine Oma und wahrscheinlich ziemlich viele aus der Kriegsgeneration nur gewartet hatten. Selbst eingemacht wurde ja eh schon was ging; nun hatte man auch Zugang zu exotischerem Material. Im Speziellen waren das Mandarinen; gerne genutzt für obskure Nachspeisen und natürlich die Ananas für den furchtbaren Toast Hawaii. Noch heute ein Mahnmal kulinarischer Schande, aber es soll ja Leute geben, die sich freiwillig Ananas auf Gerichte packen, wo Ananas nichts zu suchen hat (und das ist alles, was nicht als Nachtisch zählt). Damals ging es ja nicht anders, auf den Toast musste qua TV-Koch-verordnete Lex Ananas die gelbe Dosenfrucht aufs ansonsten köstliche Schinken-Käse-Backwerk. Ich erinnere mich, dass ich – nachdem erste Versuche mit Ananas einfach liegen lassen wegen “Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt” fehlschlugen – zuerst die warme, glibbrige Frucht unter dem geschmolzenen Käse heraus friemelte und zuerst aß, damit ich den fiesen Geschmack (wer kommt auf die Idee Obst warm zu machen? Außer diesem TV Koch, der nicht mal Koch war!) mit dem nun ananaslosen und somit leckeren Toast von der Zunge futtern konnte. War trotzdem unschön, weil an der herausgeklaubten Ananas oft noch Käsereste hingen und das verbliebene Toast doch noch ein gewisses Fruchtaroma hatte.

Auch eigentlich ziemlich fies: Erdbeeren aus der Dose. Farblich an die Orks aus Herr der Ringe erinnernd, war die Konsistenz genau so, wie man sich eine ohnehin schon weiche Frucht nach einem monatelangen Bad in einer Zuckerwasserlösung vorstellt. Wie Kaviar in süß wahrscheinlich; ich hatte noch nie Kaviar, aber wohl ähnlich matschig, wie ein großer Ballen Rotz mit Erdbeergeschmack. Die Teile fand man auch oft in Bowle (die kriegte ich natürlich nicht) und oft auch in mir. Irgendwie mochte ich die. Wahrscheinlich weil sie halt süß waren und als Kind ist alles, was süß ist gut.

Mittlerweile kennt man Dosenobst wahrscheinlich hauptsächlich vom Frühstück im Hotel, wenn neben einem großen Pott ungeschützt herumstehenden Joghurt eine ebenso große Schüssel mit buntem Obst steht, das in einer Brühe (oft auch mit kleinen Flecken von rein getropftem Joghurt vom Pott nebenan) traurig vor sich hinwabert. Jedes Stückchen sieht gleich aus, die Melonenteilchen sind kreisrund, alle Melonendreiecke wie mit einem Präzisionslaser ausgestanzt. Geschmacklich könnte man bei einer Blindverkostung wahrscheinlich nicht erraten, was man da gerade im Mund hat.

Mittlerweile – mit dem Alter und der Lebenseinstellung eines Alt-Hipsters – spielt Dosenobst keinerlei Rolle mehr in meinem Leben. Käsekuchen heißt jetzt New York Cheese Cake und da haben Dosen-Mandarinen nichts drauf oder gar drin zu suchen, die Ananas gibts frisch und am Stück, gleiches gilt für Erdbeeren und sollte mich mal eine unbändige Lust auf viel zu süße Zuckerplörre mit Fruchtgeschmack haben: da gibts sicher bei Starbucks einen Sirup, der dann über einen völlig überteuerten kalten Kaffee namens “Sugar Honey Fruity Frappé Deluxe con Latte” geschüttet wird.