Exzessives Kratzen muss nicht sein

Die kleine Katze war kränkelnd, was vorkommen kann. Schon seit Wochen hatte sie eine Stelle, die sie immer mal wieder aufkratzte, die dann abheilte, um dann von neuem aufgekratzt zu werden. Hätte man ewig so weiterlaufen lassen können, gibt ja auch (noch) amtierende Bundestrainer, die sich ganz gerne mal kratzen – auch an Stellen, wo man sich vielleicht Gedanken machen sollte, ob irgendwo Kameras sein könnten (was bei einem Spiel zwischen zwei Nationalmannschaften durchaus der Fall sein könnte) und man den Prozess des Kratzens eventuell noch ein paar Minütchen schieben kann… in die Halbzeitpause oder so, jedenfalls kratzen sich auch (noch) amtierende Bundestrainer, wieso dann nicht auch die kleine Katze. Zumal ihre bekratzte Stelle weit weg von allem war, was man ansatzweise als Weichteil-Zone bezeichnen könnte. Aber egal: die kleine Katze kratzte also, es wurde mal besser, aber dann auch wieder schlechter und am Ende fehlte da auch ein Stück Fell (ich will mir gar nicht vorstellen, wie das bei manchem (noch) amtierenden Bundestrainer in dem Bereich so aussieht…) und somit war klar: die kleine Katze muss zur Tierärztin. Der Termin dort ging (nach anfänglichen Schwierigkeiten aufgrund nicht aufzufindender kleiner Katze) schnell und einfach vonstatten: Spritze gegen den Juckreiz plus eine Woche zweimal täglich je eine halbe Antibiotika-Tablette.

Spritze war kein Problem. Selbst frisch geimpft, konnte ich der kleinen Katze da mit Wissen aus erster Hand zur Seite stehen (“Das tut nicht weh, Schätzchen”, “Ehrlich, das tut nicht weh”, “Es tut mir alles so leid, bitte hasse mich nicht. Zumindest nicht noch mehr!”. “Heute Abend fange ich Dir eine Maus, beisse sie Dir in kleine, mundgerechte Stücke und leg sie Dir vor die Kaschmirdecke, auf der Du liegen darfst!”…)

Dann die Frage von der Tierärztin: “Ihr Tabletten zu verabreichen ist kein Problem für Sie, oder?”
Keine Ahnung??? Ich habe das noch nie versucht. Wieso sollte das ein Problem sein? Mögen Katzen das nicht? Oder manche Katzen? Gibt es Katzen mit einem Tabletteneinnahmeproblem? Woher weiß man, wie die eigene Katze diesbezüglich drauf ist? Fragen über Fragen. Die ich alle nicht gestellt habe.

Meine Antwort war: “Neee, kein Problem.”. Gefolgt von einem “Pfffft”.

Die Tabletten würden nach Wurst schmecken, sagte man mir noch zum Abschied. Dann sind die kleine Katze, die sehr sauer auf mich war, und ich wieder nach Hause …wir, eine opulente Rechnung und ein Satz Antibiotika-Tabletten für eine Woche.

Eine Woche später.
Was soll ich sagen: ich bin der geborene Tablettenankatzenverabreicher! Nichts war je einfacher. Die Tablette kommt in ein kleines Stück sehr übel riechender Katzenkaustick, die kleine Katze steht vor mir und bettelt förmlich nach dem Zeug und innerhalb von Sekunden ist das Medikament verabreicht. Fertig. Diese Aktion passierte einmal am Morgen und einmal am Abend. Es gab an keinem der Tage auch nur den Hauch eines Problems. Katze gesund, da freut sich der Mensch.

Nun denke ich die ganze Zeit: vielleicht ist das meine geheime Superkraft? Meine Berufung. Das, weshalb Gott(?), das Schicksal(?), die Herrscher der Finsternis(?) oder wer auch immer mich auf diese Erde(?) geschickt hat. Der tiefe Sinn in allem. Der Ursprung des Eiters in diesem Pickel namens Leben? Und: möchte diese wie auch immer geartete höhere Kraft, dass ich diese mir innewohnende Fähigkeit nutze? Na aber ganz bestimmt und unbedingt! … sonst wäre das ja pure Verschwendung!

Nur: wie nutzt man diese Fähigkeit am besten? Naheliegend wäre natürlich “Tablettenverabreicher für Haustiere”. Es gäbe da sicher einen Markt, aber ehrlich: durch die Pampa ziehen um den Mops von Elfriede Jablonski in Castrop-Rauxel seine Abführtablette zu verabreichen? Da kann Darwin auch mal ein Wörtchen mitreden, den Mops über den Jordan schicken und überhaupt können die höheren Mächte das nicht gewollt haben.

Vielleicht größer denken? Die Tätigkeitsfelder ausweiten? Der Humanbereich wäre eine Möglichkeit: Kinder, die ihre Medis nicht schlucken wollen zum Beispiel? Einfach den Fiebersaft in eine coolen Energie-Drink-Dose und der mir eigenen Kraft direkt ins in Spidermanmotiv-bezogener Krankenbettwäsche liegende und glühende Kind geschüttet – Problem gelöst. Teure Scheidung? Das muss nicht sein: einfach dem ungeliebten Partner über einen längeren Zeitraum eine gewisse Dosis eines nicht nachzuweisenden Gifts unterjubeln? Geht das? Na klar, geht das; das kann man machen, bzw. nicht man: ich!
Oder die ganz speziellen Fälle: Sie möchten Drogen in Ballons in Katzenmägen über die Grenze schmuggeln, aber die Katze weigert sich, diese Ballons zu schlucken? Na wenn das nicht meine Kernkompetenz ist…

Es gibt also erste Ideen, wie ich diese Fähigkeit nutzen kann. Teilweise vielleicht noch etwas unausgegoren, aber ich bleibe dran.

Und für alle (noch) amtierenden Bundestrainer: Exzessives Kratzen muss nicht sein! Es gibt Hilfe. Fragen Sie die kleine Katze. Und falls Sie Probleme mit der Medikamenteneinnahme haben… das kriegen wir schon hin. Melden Sie sich.

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